Do, 22. Februar, 10.15 – 11 h:
Johannes Treß: Improvisation | Didaktik | Empirie

Improvisation und ihre potentielle didaktische Vermittlung stehen in einem fortwährenden Spannungsverhältnis. Individuelle Unterrichtsmodelle und Konzepte sind aus dem Kreis der MusikerInnen, PerformerInnen und Lehrenden bereits recht umfangreich vorgestellt worden (Gagel 2015; Mäder 2016; Mäder et al. 2013; Kieseritzky und Mielitz 1995; Bieler-Wendt 2011; Schwabe 1992, u.a.). Verschafft man sich einen Überblick über die Unterrichtsangebote an deutschsprachigen Institutionen, fällt sofort ins Auge, dass Improvisation als Unterrichtsfach in ganz unterschiedlich ausgerichteten Studiengängen angeboten wird – vom optionalen Wahlpflichtfach bis hin zum eigenständigen Studiengang. Diese unterschiedlichen Unterrichtsformate richten sich dabei (grob gesagt) entweder an künstlerisch (z.B. Leipzig, Luzern, Basel) oder pädagogisch ausgerichtete Studiengänge (Schulmusik, EMP und auch Musiktherapie). Diese unterschiedlichen Zielgruppen und deren unterschiedliche Bedürfnisse, Interessen, Voraussetzungen und Vorerfahrungen gilt es beim Sprechen über Improvisationsdidaktik immer im Blick zu behalten. Dies gilt noch mehr, da Improvisationsunterricht natürlich auch in den unterschiedlichsten (Gruppen-)Formaten stattfindet (Einzel-/Gruppenunterricht; Blockseminar; Workshops; etc.). In Anbetracht einer solchen Praxisvielfalt lohnt sich meinem Erachten nach der Blick auf empirische Erkenntnisse aus der Praxis, um auf deren Grundlage einigermaßen sinnvoll und strukturiert über didaktische Konzepte ins Gespräch kommen zu können. Im Rahmen des Vortrages werden zentrale Erkenntnisse zu Improvisation, kreativem Handeln und deren handlungstheoretischen Grundlagen dargelegt. Anhand des Handlungs- und Interaktionsmodells von Silvana Figueroa-Dreher (Figueroa 2016) sollen Anknüpfungspunkte und Impulse für die Reflexion und Weiterentwicklung der Lehrpraxis im Bereich Improvisation aufgezeigt werden. Ob diese als fruchtbarer Boden und Ausgangspunkt weitergehender didaktischer Überlegungen in den unterschiedlichen institutionellen Anforderungssituationen dienen können, wird die im Anschluss an den Vortrag stattfindende Diskussion zeigen.

Johannes Treß studierte in Stuttgart Schulmusik und Verbreiterungsfach Jazz- und Popularmusik. Nach vierjähriger Tätigkeit als Musiklehrer wurde er 2016 an die Pädagogische Hochschule Freiburg abgeordnet um dort im Rahmen des KoMuF-Projektes zum Thema „Improvisation im Musikunterricht“ zu promovieren. Darüber hinaus steht er regelmäßig als Klangtüftler, Saxophonist und Theatermusiker auf der Bühne.

Literaturverzeichnis

Bieler-Wendt, Helmut (2011): Thema. Improvisieren(d) lernen. Berlin: Ring für Gruppenimprovisation (Ringgespräch über Gruppenimprovisation, 74.2011).
Figueroa, Silvana (2016): Improvisieren. Material, Interaktion, Haltung und Musik aus soziologischer Perspektive. Wiesbaden: Springer VS (Wissen, Kommunikation und Gesellschaft).
Gagel, Reinhard (2015): Improvisation als soziale Kunst. Überlegungen zum künstlerischen und didaktischen Umgang mit improvisatorischer Kreativität. Mainz: Schott Music.
Kieseritzky, Herwig von et al. (Hg.) (1995): Improvisation in der Schule. 2. Aufl. Berlin: Ring für Gruppenimprovisation (Ringgespräch über Gruppenimprovisation, 60.1995).
Mäder, Urban (2016): Freie Improvisation als Herausforderung. Vermittlung und Forschung an der Hochschule Luzern – Musik. In: Reinhard Gagel und Matthias Schwabe (Hg.): Improvisation erforschen – improvisierend forschen. Beiträge zur Exploration musikalischer Improvisation = Researching improvisation – researching by improvisation : essays about the exploration of musical improvisation. Bielefeld: transcript (Musik und Klangkultur), S. 32–63.
Mäder, Urban; Baumann, Christoph; Meyer, Thomas (2013): Freie Improvisation. Möglichkeiten und Grenzen der Vermittlung. Hochschule Luzern. Online verfügbar unter https://ilu.zhbluzern.ch/F/SKVRCTFB7DLEEE7P3KVJYD3S67FTA68XL627V15HNYLQTA69DP-12461?func=find-b&amp=&amp=&amp=&find_code=SYS&request=01113596&%2F=&pds_handle=GUEST, zuletzt geprüft am 16.11.17.
Schwabe, Matthias (1992): Musik spielend erfinden. Improvisieren in der Gruppe für Anfänger und Fortgeschrittene. Kassel, Basel, London, New York, Prag: Bärenreiter.

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